Die Vergessenen

Ein Podcast von Kerstin Przygodda

Monatsarchiv für August 2007

LEBENSENTSCHEIDUNGEN

Wer drohte mit “Konsequenzen, die ich nicht absehen könne”? Wo werden Regeln demokratisch aufgestellt, und führt dieses System zu einer anderen Gesellschaft?

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“Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben”, dieser Satz ist so unwahr, dass er täglich in der BILD-Zeitung stehen könnte.

Das meiste lernt der Mensch vor, neben und nach der Schule, und das ohne Zwang, ohne Noten und nicht im 3/4 Stunden Takt.

In der Schule werden alle gleichgemacht:

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet. Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittliche Noten waren aber akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken, außer: die Ente. (Entnommen dem Buch: “Legasthenie muss kein Schicksal sein”)

Die Macht der Lehrer

Deutsch war immer eines meiner Lieblingsfächer, doch ich konnte mich noch so anstrengen, in Aufsätzen bekam ich immer die Note 4.

Ich war schon kurz davor aufzugeben, als wir unseren Deutschlehrer in einer Vertretungsstunde hatten. Er hat in dieser Stunde Aufsätze korrigiert. Das ging ziemlich schnell: er guckte, wer den Aufsatz geschrieben hat und setzte dann die Note darunter. Meine Note hatte also nichts mit meiner Leistung zu tun, er konnte mich einfach nicht ausstehen.

Im neuen Schuljahr bekamen wir einen neuen Lehrer, das Thema im ersten Halbjahr war: Die Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung.

Der neue Lehrer hat mich gerettet. Wenn wir unseren alten Lehrer behalten hätten, hätte ich wahrscheinlich die Lust am Lesen verlernt, die Lust am Schreiben und wahrscheinlich würde es diesen Podcast auch nicht geben.

Leider gibt es keine verlässlichen Studien, was aus den Kindern geworden ist, die auf eine demokratische Schule gegangen sind. Wahrscheinlich widersprechen solche Statistiken der Philosophie dieser Schulen.

Es werden immer nur Einzelfälle geschildert. Da gibt es den Schüler, der 5 Jahre nur Skateboard gefahren ist, dann seine Berufung gefunden hat und heute ein gefragter IT-Spezialist ist…..

Die Sudbury-Schulen in Amerika sagen, dass die Absolventen ihrer Schule bevorzugt an Universitäten aufgenommen werden.

 
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August 28th, 2007 Posted by Kerstin | Alltag, Gesellschaft | Kommentar schreiben >>



GEBRATENER SCHNEEMANN

Worauf war ich als Jugendliche heiß? Wem wurde sein Auto entzogen, und was wurde als Eidechse bezeichnet?

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Das Verbot der KPD in Deutschland hätte mir fast eine Prüfung versaut.

Die Geschichte spielt in der 70er-Jahren. Hochzeit der Terroristenhatz.

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer und Willy Brandt “Mehr Demokratie wagen”, hatten den Radikalenerlass eingeführt.

Durch das KPD Verbot von 1956 hatte die BRD es geschafft die Grundlage für Arbeit der kommunistisch orientierten Linke zu zerstören. Die ganze politische Betätigung wurde kriminalisiert und damit aus dem öffentlichen Meinungsbildungsprozess ausgeschaltet.

Erst durch die Studentenproteste bekam die kommunistische Linke in der BRD wieder auftrieb. Mit dem Radikalenerlass von 1972 sollte diese Bewegung wieder geschwächt werden. Unter den linken Lehrern ging die Angst vor einem Berufsverbot um.

Politisch engagierte Lehrer gab es viele an unserer Schule, denn wir waren die erste Gesamtschule in Schleswig-Holstein. Und so wurde die politische Elite der Lehrer zu uns geschickt um diesen Schulversuch zum Erfolg oder Misserfolg zu führen.

Da die Einführung der Gesamtschule ein politischer Streitpunkt war, wurde dieser Schulversuch ständig überwacht. Deshalb waren bei unserer mündlichen Prüfung auch “unabhängige” Beobachter dabei. Das waren Beamte der Schulbehörde und gehörten der CDU an.

Meine “Gesinnungsprüfung” hatte ich in einem Laberfach, Gemeinschaftskunde hieß es damals. Ich hatte es mir einfach gemacht und das Thema “Systemvergleich BRD-DDR” gewählt.

Sofort wurde ich von einem der Beobachter unterbrochen, der mich bat (”Nur um Missverständnisse zu vermeiden”) die Abkürzung BRD nicht zu verwenden, denn die Abkürzung ist kommunistischer Sprachgebrauch und diejenigen, die diese benutzen, stehen nicht auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung.

Einer meiner Prüfer wies den Beamten in seine Schranken, der sich im Laufe der Prüfung aber nicht zurückhalten konnte und mich immer wieder korrigierte. Was zur Folge hatte, dass ich die verbotene Abkürzung immer häufiger benutzte……..

Das Verbot der KPD wurde bis heute nicht aufgehoben.

 
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August 20th, 2007 Posted by Kerstin | Gesellschaft | Kommentar schreiben >>



DUFTNOTE

Wer darf nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren? Warum küssen die Eskimos mit der Nase, und wer sucht sich oft falsche Partner?

 
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August 9th, 2007 Posted by Kerstin | Unterhaltung | Kommentar schreiben >>