SCHRITT FÜR SCHRITT INS PARADIES?
Ist die soziale Straßenreinigung ein 1 Euro-Job? Welches Wohnzimmer wird von Polizisten bewacht und welcher Kuss ist der Schönste?
Ist die soziale Straßenreinigung ein 1 Euro-Job? Welches Wohnzimmer wird von Polizisten bewacht und welcher Kuss ist der Schönste?
Wer hat dafür gesorgt, dass in St. Tropez kein KKW steht? Warum ist das “Jüngste Gericht” kompetenter als ein ordentliches Gericht und wer trug an den Hüften Granaten?

Die 3 Tornados: Das Krippenspiel
Josef: Maria, Mary, deine Haare leuchten ja wieder wie Gold und deine Augen sind wie Sterne am Firmament. Du siehst aus, wie die Madonna von Michelangelo.
Maria: Und du, o Josef mein, du siehst aus wie ne holzgeschnitzte Figur ausm Krippenspiel.
Josef: Das ist ja auch kein Wunder. Ich bin ja auch von Beruf Tischler. Du, sag mal, Maria, wollen wir mal jetzt zusammen … ähäm…
Maria: Was heißt das, Josef, deinen Daumen durch den Zeigefinger?
Josef: Na, wollen wir jetzt mal zusammen?
Maria: Versteh ich nicht?
Josef: Ach, Maria, ich meine, wollen wir beide jetzt mal zusammen hier in diesem schönen Bett…
Maria: Ach, bumsen, was?! Ehrlich, Josef, ihr Männer wollt doch immer nur das eine. Du weißt ganz genau, dass ich das nicht will. Jedenfalls nicht bevor wir nicht ordentlich verheiratet sind.
Josef: Also, Maria, du benimmst dich wie ne Heilige! Na gut, dann warten wir eben bis zu dieser Scheiß Ehe. Nacht.
Maria: Du, Josef?
Josef: Lass mich in Ruhe.
Maria: Du, Josef, ich weiß auch nicht, wie ich’s dir sagen soll. Ich hab meine Tage nicht gekriegt.
Josef: Was?! Wie bitte?! Wer war das?!
Maria: Ich weiß auch nicht, wie das zugegangen ist. Von keinem Manne war es.
Josef: Wie heißt der Typ?! Manne?! Dem polier ich die Fresse!
Maria: Nein, Josef, das war ganz anders. Der Heilige Geist ist mir erschienen.
Josef: Och ja, der “Heilige Geist”! Das muss ja’n schöner Heiliger Geist sein, der meine Verlobte hinter meinem Rücken von hinten bumst!
Maria: Nein, Josef, das war nicht so wie du denkst mit Sex und so. Der Heilige Geist ist zu mir gekommen und der hat zu mir gesagt irgendein Herr hätte mich ausgewählt, dieser Herr würde gerne mit mir sein und ich würde ein Kind kriegen, aber als Jungfrau.
Josef: Ach Maria, du hast ne Macke! Das ist doch die letzte Ausrede. Die Story kauft dir doch kein Schwein ab.
Maria: Doch Josef, die kaufen se uns ab. Da waren schon ein paar Typen da, die wollen da ein Buch drüber schreiben - soll ein Bestseller werden.
Josef: Also, wer das glaubt wird selig. Nun erzähl mal lieber wie’s wirklich war.
Maria: Also, das war so, ich lag hier wieder abends allein in der Hütte - du bist ja auch immer bis 12 in deiner Werkstatt und hobelst deine Bretter. Du Dünnbrettbohrer! Ich war wieder ganz allein und mit einmal geht in der Bude die volle Beleuchtung an und da kommt so’n Typ zum Fenster rein und sagt, er heißt Gabriel und er wär von Beruf Engel, Erzengel.
Josef: “Erzengel”. Erzganove meinst du! Und dann?
Maria: Dann kam er über mich und dann überkam es mich. Auf einmal hörte ich im Himmel die Glocken läuten und da wusste ich wo Gott wohnt. Und als ich wieder zu mir gekommen bin, war der ganze Budenzauber vorbei und der Typ war weg. Tote Hose.
Josef: Und ich sitz jetzt hier in der Patsche. Hoffentlich wird’s überhaupt ein Kind und kein Leuchtstab. Und wer zahlt die Alimente?
Maria: Josef, das ist Gottes Lohn.
Josef: “Gottes Lohn”. Schöne Bescherung! Und wie soll das Gör heißen?
Maria: Ich dachte, wenn es ein Mädchen wird, vielleicht Petra.
Josef: Ach, und wenn’s n Junge wird, Herbert, Willi oder Owie?
Maria: Wieso Owie?
Josef: Du kennst doch das Lied: “Stille Nacht, heilige Nacht, Gottes Sohn o wie lacht”.
Maria: Ach, das find ich blöd!
Josef: “Ach, das find ich blöd!”
Jesses, ist das eine Scheiße!
Maria: Genau, so nennen wir ihn: Jesses!
Josef: Da gibt’s aber noch einige Probleme zu lösen. Wer zum Beispiel sagt den heiligen drei Königen Bescheid?
Maria: Das ist alles abgeklärt. Die Formalitäten erledigt der Gabriel. Der sagt den Hirten persönlich Bescheid und wenn’s dann soweit ist, lässt er über der Wiege ne Leuchtrakete los. Wir müssen uns nur noch um ne Wohnung kümmern.
Josef: Ja siehste, das ist ja gerade das Problem. Du weißt ganz genau, dass die Sozialwohnungen von Nazareth alle weg sind. In so na Scheiß Satellitenstadt will ich auch nicht wohnen. Halt! Ich hab ne Idee: Ich kenn da ein paar Freaks aus Bethlehem, die haben ne alternative Kneipe. Da könnten wir den Schuppen, den könnten wir umbauen. Da würde ich die vierte Wand rausnehmen, damit die Weltöffentlichkeit zusehen kann, wie wir unseren Rotzlöffel inne Weltgeschichte setzen. Dann wirste mal sehen, dann hörste se noch 2000 Jahre später in Köln rumjodeln: “Johannes Paul der Zweite - wir stehen an deiner Seite!”
Natürlich regte dieser “Comic für Heiden von Heiden” die Gründung einer katholischen Bürgerinitiative an.
Diese etwas andere BI ging in den frühen Achtzigern empört auf die Barrikaden und zog mit Hilfe des (un)seligen Gesinnungsparagraphen 166 StGB (”Beschimpfung religiöser Bekenntnisse”) gegen die Gotteslästerer vor Gericht. Das ermöglichte den Tornados auch die Gerichtssäle als Bühnenboden zu nutzen. Während des ersten Verfahrens stellten die drei Krippenspieler folgenden Antrag:
Antrag
“Ich rüge die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Amtsgerichts Köln. Begründung: Die durch das Buch ‘Die Bibel’ bekannten Personen ‘Maria und Josef’ sind bereits länger verstorben und können daher vor dem Amtsgericht Köln nicht als Zeugen erscheinen. Von ihnen selbst verfasste schriftliche Aussagen, die ersatzweise beigebracht werden könnten, sind nicht bekannt.
Allen hiesigen Gerichten sowie den religiösen Anhängern der Personen ‘Maria und Josef’ liegt mit dem Buch ‘Die Bibel’ lediglich die Darstellung Dritter vor, denen nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen weder Josef noch Maria oder Jesus persönlich bekannt waren.In wieweit die dramatisierte Darstellung des würdigenden Gesprächs zwischen Maria und Josef durch ‘Die drei Tornados’ so entstellend ist, dass daraus eine Beschimpfung des religiösen Bekenntnisses zu diesen Personen abgeleitet werden kann, ließe sich letztendlich aber nur durch persönlichen Augenschein und Befragung von Maria und Josef selbst vor Gericht entscheiden.
Als gerichtliche Instanz, die die Möglichkeit hat, alle Betroffenen sowie die erforderlichen Zeugen zur Klärung der Vorwürfe zu hören, verweist der Antragsteller daher auf das ‘Jüngste Gericht’, das im Falle einer Verurteilung auch zahlreiche Sanktionen - wie Fegefeuer und ewige Verdammnis - kennt, die Verfehlung ordnungsgemäß zu bestrafen.”
Das Amtsgericht Köln lehnte diese überzeugende Eingabe zwar ab. Allerdings konnten die Tornados das beanstandete “Krippenspiel” dem Gericht und dem Prozesspublikum an Ort und Stelle vorführen. Während des Prozesses traten zudem GutachterInnen auf, wie z.B. der Theaterwissenschaftler Arno Paul, die in Ungnade gefallene katholische Theologin Uta Ranke-Heinemann und der Rocksänger Udo Lindenberg. Dennoch sollten die drei bekennenden Anarchisten eine Geldstrafe von 1800 Mark zahlen. Nach Ansicht des Kölner Amtsgerichts sollen sie gegen § 166 StGB verstoßen haben, nach dem mit Geld- oder mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren verurteilt wird, wer “öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören”.
Staatsanwaltschaft, Richter und Soester Katholiken machten von Gerichtsverhandlung zu Gerichtsverhandlung ein wahrhaft christliches Martyrium durch, bis nach vier Instanzen endlich der Freispruch für die drei brillanten Blasphemiker erfolgte.
Zwei interessante Links: Die Wesite von “Die 3 Tornados” und Die Liedersammlung der “dau°-Gemeinde”
Wer lebte zwei Jahre ein anderes Leben? Wo putzt man mit dem Klolappen den Esstisch und welches Wort gibt es in Schweden, aber nicht in Deutschland?
Ein Programm für alle, die ständig etwas vergessen und dieses ändern wollen. Autorin: Kerstin Przygodda. Humorvoll, aber auch kritisch und politisch, werden eine Vielzahl von Themen über "Die Vergessenen" angerissen und vergessene Ereignisse und Geschichten wieder lebendig. Viel Spass beim Reinhören.
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